NITROX


Nitrox ist ein Gemisch aus den Gasen Stickstoff und Sauerstoff, im Englischen NITRogen und OXygen, daher der Name NITROX. Wir allen kennen Nitrox, da es das ist was wir täglich atmen: Luft.

Aber Luft ist nur eines von vielen möglichen Nitroxgemischen, nämlich eines aus annähernd 21% Sauerstoff und 79% Stickstoff. Wenn Nitrox etwas so normales ist, warum wird dann so ein Trubel darum gemacht ? Nun, beim Nitroxtauchen werden diese beiden Gaskomponenten so variiert, daß die Nullzeiten verlängert, bzw. die Dekozeiten minimiert werden.

Hier die theoretischen Grundlagen von Nitrox:


Standardgemische und Bezeichnungen

Es gibt zwei Standardgemische für Nitrox, dies sind EAN32 und EAN36. Die Bezeichnung EAN steht für Enriched Air Nitrox, was soviel heißt wie "mit Sauerstoff angereicherte Luft". Die Zahl hinter EAN gibt den Prozentsatz Sauerstoff an, der in diesem Gemisch enthalten ist, in EAN32 sind also 32% Sauerstoff enthalten, in EAN36 sind es 36% Sauerstoff. Die restlichen 68% bei EAN32, bzw. 64% bei EAN36 sind Stickstoff. Da Nitrox im allgemeinen aus Luft und Sauerstoff hergestellt wird, sind in dem restlichen Gas natürlich alle die Gase enthalten, welche auch in der Luft zu geringen Teilen enthalten sind.

Die amerikanische Organisation NOAA erforschte sehr ausführlich die EIgenschaften des Nitroxtauchens und definierte auch diese beiden Standardgemische, weshalb das EAN32 auch NOAI und EAN36 auch NOAII genannt werden. Diese beiden Gemische sind die am besten verfügbaren Nitroxgemische, von Luft einmal abgesehen :-)).

Generell werden auch alle anderen, auf einen bestimmten Zweck optimierten Nitroxgemische als EANXX bezeichnet, wobei XX für den Sauerstoffanteil im Gemisch steht.

 

Zurück zum Anfang

Äquivalente Lufttiefe

Eigentlich ist die Bezeichnung "Sauerstoffangereicherte Luft" vom Zweck her falsch, richtiger währe "Stickstoffreduzierte Luft", da der Vorteil von Nitrox nicht im höheren Sauerstoffanteil liegt sondern im verringerten Anteil von Stickstoff. Die Aufsättigung mit Stickstoff bestimmt unsere Nullzeiten und Dekozeiten auf bestimmten Tauchtiefen. Wird jetzt der Stickstoffanteil im Atemgase verändert, so ändern sich auch diese Zeiten. Untersuchungen haben ergeben, daß diese Zeiten direkt vom Partialdruck dieses Gases abhängig sind. Doch wie erhalte ich jetzt die Nullzeiten oder Dekozeiten für ein bestimmtes Nitroxgemisch ? Die Lösung ist relativ einfach, man berechnet den Partialdruck des Stickstoffs für die gewünschte Tauchtiefe und berechnet auf welcher Tiefe Luft den gleichen Stickstoffpartialdruck besitzt. Dann hat man die "Äquivalente Lufttiefe" berechnet, also die Tiefe auf der Luft den gleichen Stickstoffpartialdruck besitzt wie das Nitroxgemisch. Diese "Äquivalente Lufttiefe" auf englisch EAD ( Equivalent Air Depth ), was bringt die uns ? Ganz einfach, man nimmt Tauchtabellen für Luft, und kann sie für das Tauchen mit Nitrox verwenden. Aber man muß immer die maximale Tiefe des Nitroxtauchgangs und das Gemisch kennen, die EAD berechnen, um dann die geeignete Lufttabelle zu benutzen.

Beispiel:

Gemisch EAN32 32% Sauerstoff 68% Stickstoff, gewünschte Tauchtiefe 35 Meter. Welche Nullzeit haben wir mit diesem Gemisch auf dieser Tiefe ?

Der absolute Druck in 35 Metern Tiefe beträgt 4,5 bar, der ProzentsatzStickstoff im Atemgas ist 68 %, das ergibt einen Stickstoffpartialdruck von 3,06 bar.

35 Meter / 10 Meter/bar + 1 bar = 4,5 bar

4,5 bar * 0,68 = 3,06 bar

Diesen Stickstoffpartialdruck hat Luft auf einer Tiefe von 28,7 Meter, Man würde also die Tabelle für 30 Meter verwenden.

3,06 bar / 0,79 = 3,87 bar

( 3,87 bar -1 bar ) * 10 Meter/bar = 28,7 Meter

Laut US-Navy Tabelle haben wir mit Luft eine Nullzeit von 25 Minuten auf 30 Metern. Mit EAN32 haben wir auf 35 Metern eine Nullzeit von 25 Minuten im Vergleich zu einer Nullzeit von 15 Minuten auf 35 Metern mit Luft. Und hier zeigt sich schon der große Vorteil von Nitrox.

Zurück zum Anfang

Sauerstoffpartialdruck, maximale Einsatztiefe

Jetzt haben wir schon viel über die Vorteile von Nitrox gehört, doch wo viel Sonne ist, gibt's auch viel Schatten. Was ist also der Nachteil von Nitrox ? Durch die Erhöhung des Sauerstoffanteils im Atemgas, erhöht sich der Sauerstoffpartialdruck. Dieser begrenzt die Einsatztiefe unseres Gemisches, da der Sauerstoff ab einem bestimmten Partialdruck toxisch, also giftig wird. Als absoluter Grenzwert für das Tauchen wird 1,6 bar genannt, wobei pro Streßfaktor 0,1 bar abgezogen werden. Für kaltes Wasser, Anstrengung etc. sollten also jeweils 0,1 abgezogen werden.

Beispiel: Wir wollen einen gemütlichen Tauchgang im warmen Wasser unternehmen. Wenn wir auf eine Tiefe von 35 Metern tauchen wollen, welches Nitroxgemisch könnnen wir verwenden ? Da die Umgebungsbedingungen ideal sind, nehmen wir einen maximalen Sauerstoffpartialdruck von 1,6 bar an.

35 Meter / 10 Meter / bar + 1 bar = 4,5 bar

1,6 bar / 4,5 bar = 0,35

Wir haben jetzt berechnet, daß der maximale Sauerstoffanteil 35 % sein darf, um auf 35 Metern Tiefe einen Sauerstoffpartialdruck von 1,6 bar zu haben. Wir wählen deshalb ein Standardgemisch mit dem nächsten niedrigeren Sauerstoffanteil, also EAN 32. Nachdem wir ein Gemisch gewählt haben, berechnen wir die maximale Einsatztiefe, MOD (Maximum Operation Depth ) dieses Gemisches:

1,6 bar / 0,32 = 5 bar

( 5 bar -1 bar ) * 10 Meter / bar = 40 Meter

Die maximale Einsatztiefe für unser Gemisch EAN32 beträgt also 40 Meter. Allerdings ist der Partialdruck nicht die einzige Begrenzung für den Einsatz auf einer bestimmten Tiefe, die Einwirkungszeit für einen bestimmten Sauerstoffpartialdruck ist maßgebend für die Giftigkeit des Sauerstoffs. Für die Einwirkungszeiten wurden Werte gemäß der folgenden Tabelle ermittelt:

Sauerstoffpartialdruck Maximal zulässige Einwirkungszeit pro Tauchgang Tagesmaximum
0,6 bar 12 Stunden 12 Stunden
0,7 bar 9,5 Stunden 9,5 Stunden
0,8 bar 7,5 Stunden 7,5 Stunden
0,9 bar 6 Stunden 6 Stunden
1,0 bar 5 Stunden 5 Stunden
1,1 bar 4 Stunden 4,5 Stunden
1,2 bar 3,5 Stunden 4 Stunden
1,3 bar 3 Stunden 3,5 Stunden
1,4 bar 2,5 Stunden 3 Stunden
1,5 bar 2 Stunden 3 Stunden
1,6 bar 3/4 Stunde 2,5 Stunden
Zurück zum Anfang

Sauerstoffverträglichkeit über längere Zeit

Es kann auch zu einer Intoleranz der Lungen gegenüber Sauerstoff kommen, gegenwärtig nimmt man einen Wert von 850 Einheiten für einen Tauchtag als Grenzwert an. Diese Sauerstoffintoleranz kommt jedoch nur bei außerordentlich extremen Tauchgängen oder bei einer Rekompressionstherapie ( dann gilt als Grenzwert 1440 Einheiten ) zum Tragen, da die Expositionszeiten dermaßen hoch sind, daß sie für den normalen Taucher eigentlich zu vernachlässigen sind. Für einen Tauchgang mit 1,6 bar pO2 und einer Lämge von einer Stunde würde man gerade 115 Einheiten ansammeln, läge aber schon über dem Grenzwert für die zulässige Einwirkungszeit bei 1,6 bar pO2.

Zurück zum Anfang

Copyright © 1998 Matshark